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Familie & Leben

Der Frust mit dem Smartphone

Forschungsprojekt will Senioren helfen – Gesellschaftliche Teilhabe auch im hohen Alter

Älteren den Einstieg in die digitale Welt mit Themen erleichtert, die sie direkt betreffen. Foto: Pixabay

27.01.2022

Corona-App, QR-Code, Skype, Zoom – alles ganz easy, wenn man mit dem Smartphone aufgewachsen ist. Aber nicht so einfach, wenn man älter ist. Viele Senioren sind verunsichert. Enttäuschung und Frust hat auch Elisabeth Groß erlebt. Und Sorge: „Man will nicht die einzige sein, die digital nicht mitkommt.“ Die 69-jährige Pensionärin aus Gaggenau (Kreis Rastatt) hat sich in das Thema mühsam eingearbeitet und weiß um die Schwierigkeiten. Ein Forschungsprojekt der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe, des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und internationaler Partner will nun mit dem Projekt „Ganymed“ dafür sorgen, dass Senioren nicht digital abgehängt werden.

„Der Anteil von Menschen über 70 an der Gesamtbevölkerung wird europaweit weiter zunehmen“, sagt Mechthild Kiegelmann, Leiterin des PH-Masterstudiengangs Geragogik (Altersbildung). Ziel des internationalen Projektes sei es, Ältere in die Lage zu versetzen, an digitaler Kommunikation teilzuhaben. Dass das immer wichtiger wird, wurde für die Expertin für Bildung im Alter nicht zuletzt in der Corona-Pandemie deutlich.

WER KEIN HANDY HAT, BLEIBT AUßEN VOR

Ob Impftermin buchen oder Kontakt mit Freunden und Enkeln halten: Wer kein Smartphone, Tablet oder PC zu Hause hat, bleibt außen vor. Nach einer von den Maltesern beauftragten Forsa-Umfrage haben zwar 60 Prozent der über 74-Jährigen ein Smartphone. Doch je älter die Menschen sind, desto weniger nutzen sie es.

Viele Senioren wissen schlicht nicht, wie Internet, Apps oder Videotelefonie funktionieren. Das Projekt „Ganymed“ will didaktische Programme und Materialien für Lehrkräfte und andere Multiplikatoren entwickeln, um das erforderliche Wissen altersgerecht zu vermitteln.

Das auf zwei Jahre angelegte Projekt mit Experten aus Spanien und Italien ging Ende Juni 2021 an den Start. „Es wird die Art und Weise des Lehrens für die Generation 70+ verbessern“, ist Projektkoordinator Volker Koch überzeugt. Für den KIT-Wissenschaftler ist es ein Beitrag zur „sozialen Inklusion“. Viele Ältere klagten in der Pandemie über Einsamkeit.

Doch Alter hat viele Gesichter. Nicht jeder bringt für das Thema so viel Energie auf wie die pensionierte Lehrerin Groß aus Gaggenau. Weil sie Familie und Freunde nicht mit ihren Fragen nerven wollte, belegte sie Kurse an der Volkshochschule. Dort fiel ihr auf, wie unsicher auch andere im Umgang mit Smartphone und Internet sind – und wie hoch motiviert, die digitalen Dienste im Alltag zu nutzen. „Allen war bewusst: Im Alter trägt das zur Lebensqualität bei.“

Die VHS-Kurse waren nur der Anfang. Über die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen lernte Elisabeth Groß eine Studentin kennen. Mit ihr traf sie sich neun Wochen zum digitalen Austausch über Fragen zum Handling des Internets, Nutzen von Tablets im Alltag oder zum Umgang mit virtuellen Plattformen. „Das habe ich als sehr wertvoll erlebt. Man darf die älteren Menschen beim Einstieg in die digitale Themenwelt mit ihren Fragen nicht alleine lassen.“ Auch fand sie einen PC-Experten. Der hilft, wenn’s technisch mal hakt.

ORGANISATION DES ALLTAGS ÄLTERER

Ständige Ansprechpartner sind wichtig, insbesondere bei PC-Problemen, betont Elisabeth Groß. Und auch, dass Älteren der Einstieg in die digitale Welt mit Themen erleichtert wird, die sie direkt betreffen: von der Organisation des Alltags mit Arztbesuch oder Impftermin bis hin zur Gestaltung eines Fotobuchs oder dem Erfassen einer Rezeptsammlung.

Ältere einbeziehen und da abholen, wo sie stehen – das will auch „Ganymed“. Im Rahmen des Projektes werden Menschen angesprochen, die mit Älteren zu tun haben. Kiegelmann hat schon mehrere Anfragen von Seniorenverbänden bekommen, die gerne mitmachen würden. Auch Multiplikatorinnen aus dem Kreis der über 70-Jährigen sollen eingebunden werden. Ob Stadtbücherei, Kaffeekränzchen oder Migrantengruppe: „Digitale Endgeräte können auch dort zur Verfügung gestellt werden, wo sich die Zielgruppe gerne trifft“, sagt die Professorin für Altersbildung. dpa