Mitunter werden nahe Angehörige von heute auf morgen zum Pflegefall. Doch wie lässt sich deren Pflege mit dem eigenen Berufvereinbaren?  

Es braucht nicht viel, um plötzlich auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein: Ein Stolpern über die Teppichkante oder gar die Folgen einer erst harmlos anmutenden Infektion genügen, um plötzlich ein Pflegefall zu werden. Dann stellt sich die Frage: Wie soll es jetzt weitergehen? Viele Angehörige scheuen sich, ihre pflegebedürftigen Liebsten der Obhut eines Heimes zu überlassen. Also doch lieber zu Hause pflegen? Doch das ist mit finanziellen, psychischen und physischen Herausforderungen verbunden.  

Was ist, wenn man aufgrund eines akuten Pflegefalls nicht zur Arbeit gehen kann? Wird ein Angehöriger pflegebedürftig und muss von einem Tag auf den anderen zu Hause versorgt werden, gibt es erst einmal viel zu organisieren. Mit der sogenannten Kurzpflegezeit können sich Angehörige sofort von der Arbeit freistellen lassen, heißt es bei der Stiftung Warentest. Zusammen haben nahe Angehörige einen Gesamtanspruch von mindestens zehn Tagen, die untereinanderaufgeteilt werden können. Die unbezahlte Freistellung muss jeder Betrieb gewähren. Fordert der Arbeitgeber eine Bescheinigung, muss die Pflegebedürftigkeit mit einem Attest des behandelnden Arztes belegt werden. Während der Kurzpflegezeit haben Betroffene Anrecht auf Pflegeunterstützungsgeld. Es muss bei der Pflegekasse des Angehörigen beantragt werden.
                    

Wie lassen sich Beruf und Pflege langfristig vereinbaren? Beruf und Pflege lassen sich zeitlich nur schwer vereinbaren. Viele Pflegende müssen deshalb ihre Karrieren unterbrechen oder zumindest die Arbeitszeit deutlich reduzieren. In Betrieben mit mindestens 16 Beschäftigten haben Arbeitnehmer das Recht auf eine sechsmonatige Pflegezeit: sie dürfen dann vorübergehend in Teilzeit wechseln oder sich unbezahlt freistellen lassen. In Betrieben ab 26 Beschäftigten kann man zudem Familienpflegezeit beantragen und die wöchentliche Arbeitszeit für bis zu 24 Monate auf 15 Stunden reduzieren. Eine volle Freistellung ist nicht möglich.

Welche finanziellen Hilfen gibt es für pflegende Angehörige? Bei heimischer Pflege kann Pflegegeld fließen: zwischen 315 Euro bei Pflegegrad 2 und 901 Euro pro Monat bei Pflegegrad 5. Aus der Pflegekasse bekommen pflegende Angehörige auf Antrag zudem Rentenversicherungsbeiträge bezahlt. Für eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung gibt es zudem das Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung – dieses kompensiert 90 Prozent des mit der Freistellung verbundenen Gehaltsausfalls. Zudem können Berufstätige mit Pflegeverantwortung ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Pflegebedürftigen ihr Pflegegeld an den pflegenden Angehörigen auszahlen.

Ist das Zuhause zur Pflege geeignet? Drei Viertel der rund 3,4 Millionen pflegebedürftigen Menschen hierzulande werden laut Statistischem Bundesamt zu Hause versorgt – davon fast 1,8 Millionen allein von Angehörigen. Doch bevor man sich dazu entschließt, einen Pflegebedürftigen zu sich nach Hause zu holen, muss geklärt werden, ob das Haus oder die Wohnung zur Pflege geeignet ist: „Damit es mit der Pflege im eigenen Zuhause klappt, sind häufig Umbauten erforderlich, oder es müssen Hilfsmittel angeschafft werden“, sagt Birger Mählmann, Pflegeexperte bei der IDEAL Versicherung. Für bauliche Veränderungen im Rahmen der Pflege können Menschen mit Pflegegrad einen Zuschuss von bis zu 4000 Euro bei der Pflegekasse beantragen.

Wie lässt sich die Pflege eines Angehörigen körperlich und psychisch bewältigen? Pflegeexperten raten dazu, sich regelmäßig Zeit für sich selbst zu nehmen – und sich Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst zu holen. Dazu lassen sich die Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung für private Pflege (Pflegegeld) und professionelle Pflege (Pflegesachleistungen) kombinieren. Wer zum Beispiel ein Elternteil mit Pflegegrad 3 zu Hause pflegt, kann entweder 545 Euro Pflegegeld oder bis zu 1298 Euro Pflegesachleistungen beantragen oder eine Kombination aus beiden Leistungen in Anspruch nehmen.

Gibt es Anlaufstellen, an die sich Angehörige im Ernstfall wenden können? Ja. Wer Pflegeleistung beantragen möchte oder bezieht, hat Anspruch auf eine kostenlose Pflegeberatung. Eine Anlaufstelle ist der Pflegestützpunkt. Als gesetzlich Krankenversicherter bekommt man ortsnahe Adressen von der Krankenkasse. Als privat Versicherter wendet man sich an die Compass Private Pflegeberatung, 08 00 / 1 01 88 00. Auf der Internetseite des Zentrums für Qualität in der Pflege (Bdb.zqp.de) kann man über die Postleitzahl nahe Beratungsstellen suchen, etwa von Kommunen, Verbraucher- und Wohlfahrtsverbänden. Unter Pflegevertraege.de informieren Verbraucherzentralen über Pflege zu Hause sowie Pflege- und Betreuungsverträge. dpa