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Gesundheit

Viele Pflegende sind überfordert

Sozialverband fordert stärkere Entlastung für pflegende Angehörige

Viele Pflegende sind selbst schon älter. Foto: Pixabay

13.06.2022

Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, sind häufig stark belastet – viele zögern laut einer Auswertung aber bei möglichen Entlastungsangeboten. So nutzen 62 Prozent der Befragten keinen Pflegedienst, wie der Sozialverband VdK als Auftraggeber der Analyse mitteilt. 80 Prozent rufen den Pflegebedürftigen zustehenden „Entlastungsbetrag“ von monatlich 125 Euro nicht ab.

REFORM DER UNTERSTÜTZUNG

VdK-Präsidentin Verena Bentele sagt: „Die häusliche Pflege ist am Limit.“ Es räche sich, dass sie jahrelang ein Stiefkind der Politik gewesen und missachtet worden sei. Der Verband forderte eine Reform der Unterstützungsleistungen. Ein einheitliches Budget, in das alle Ansprüche einfließen, würde deutlich besser helfen. „Dann würden nicht genutzte Leistungen auch nicht mehr verfallen. Man nutzt das Geld für die Leistung, die einem was bringt“, so Bentele.

EMOTIONALE BEZIEHUNGEN

Mehr als 80 Prozent der 4,1 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt, wie der VdK erläutert – von nahe stehenden Menschen, teils mit Hilfe ambulanter Pflegedienste. Laut der Auswertung sind viele pflegende Angehörige selbst schon älter. Fast die Hälfte der Befragten war im Rentenalter. Rund ein Drittel der Befragten gab demnach an, dass die Pflege nur unter Schwierigkeiten oder eigentlich nicht mehr zu bewältigen sei.

Grundlage ist den Angaben zufolge eine Online-Befragung unter Mitgliedern des VdK zwischen dem 29. März und dem 9. Mai 2021. Daran beteiligten sich unter anderem 27 000 pflegende Angehörige und 6500 Pflegebedürftige. Bentele sagte, der Begriff „häusliche Pflege“ stehe nur für den Ort, an dem gepflegt werde. Es gehe aber um viel mehr – und die Beziehung zwischen Pflegebedürftigen und Pflegenden sei sehr emotional und von Liebe geprägt. „Deshalb sprechen wir nicht mehr von häuslicher Pflege, sondern von Nächstenpflege.“ dpa


So sehen Wege in die Pflegeberufe aus

Wer sich für das Berufsfeld Pflege interessiert, kann sich zwischen verschiedenen Karrierewegen entscheiden. Seit die Pflegeberufe Anfang 2020 reformiert wurden, gehört die duale Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau zum Standard. Darauf macht die Bundesagentur für Arbeit auf „abi.de“ aufmerksam.

Die damals neu geschaffene generalistische Ausbildung bereitet angehende Pflegefachleute darauf vor, Menschen in jedem Alter und in allen Versorgungsbereichen zu pflegen, erklärt Otto Pompe, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Rheine in dem Beitrag.

Die bisherigen Ausbildungsberufe in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege wurden damit abgelöst.

Angehende Pflegefachmänner und -frauen lernen die Theorie an anerkannten Pflegeschulen und die Praxis im Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung. Mit Ende ihrer Ausbildung erlangen sie einen EU-weit anerkannten Berufsabschluss und können sich dann flexibel entscheiden, in welchem Pflegefachbereich sie zukünftig arbeiten wollen. Ein Vertiefungseinsatz während der Ausbildung, etwa in der Alten- oder Kinderkrankenpflege, kann aber zu einem gesonderten Abschluss in der jeweiligen Spezialisierung führen.

Als akademische Alternative wurde der duale Studiengang Angewandte Pflegewissenschaften eingeführt. Otto Pompe erklärt den ausbildungsintegrierten Ansatz so: An Fachhochschulen lerne man die Theorie, an Pflegeschulen die berufsfachliche Ausbildung, ergänzend gibt es praktische Einsätze.

Hintergrund der vielen Neuerungen ist laut Otto Pompe vor allem das Ziel, die Pflegeberufe attraktiver zu gestalten, sie aufzuwerten und an moderne Anforderungen anzupassen. dpa