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Fachgeschäfte

Zu schade für die Tonne!

Altes und Kaputtes lässt sich mit Kreativität einfach wiederverwerten

Mineralwasser wird sehr häufig in Plastikflaschen verkauft.
Foto: Kitty - Fotolia/

8.02.2021

Nicht jeder Abfall ist Müll, eine Binsenweisheit. Aber man muss immer mal wieder daran denken. So sorgen alte Plastikflaschen im Hausflur für Platz und Ordnung, wenn ein Stiefelspanner fehlt. Sie werden in die Stiefel gesteckt, die dadurch aufrecht stehen bleiben. Und im Frühjahr können Kunststoff-Flaschen im Garten und auf dem Balkon eingesetzt werden: In der Mitte oder der Länge nach durchgeschnitten, ersetzen sie wahlweise einen Blumentopf oder Blumenkasten. Halbiert und über Jungpflanzen gestülpt, fungieren sie wie Minigewächshäuser und schützen die Pflanzen vor Schnecken.

An heißen Tagen schließlich können sie mit Wasser gefüllt Pflanzen vor dem Austrocknen retten: „Mit einem Stück Stoff versehen oder Löchern im Deckel und kopfüber in den Topf gestellt, bekommt man so ein prima Dauerbewässerungssystem”, verrät Buchautor Kai Daniel Du. Er sucht nach so simplen Ideen für Alltagslösungen, den Lifehacks. Damit bezeichnet man Ideen, mit denen sich effizient Alltagshürden lösen lassen. Alte Strumpfhosen eignen sich beispielsweise nicht nur zum Parkettputzen, weil sie Staub anziehen. „Über das Ende des Staubsaugerrohrs gestülpt, kann man damit Stifte, Ketten, Münzen und ähnlich filigrane Gegenstände unter dem Sofa hervorsaugen, ohne dass sie gleich im Staubsaugerbeutel verschwinden”, sagt er.

Im Grunde erleben unter dem neuen Namen Lifehack derzeit viele gute alte Hausfrauentipps eine Renaissance. Aber das hat durchaus seinen Sinn: „Bevor ich etwas Neues kaufe, überlege ich immer erst: Was habe ich im Haus, mit dem ich das Problem lösen könnte”, sagt Du. Dieses Verhalten schont auf Dauer nicht nur den Geldbeutel. „Je mehr wir kaufen und wegwerfen, desto mehr belasten wir die Umwelt”, erklärt Nadine Schubert. Sie lebt bewusst ohne Plastik im Haushalt.

So lassen sich viele auch leicht beschädigte oder aussortierte Gegenstände und Materialien in einem anderen Kontext wiederverwenden. Altbekannt sind natürlich Tipps wie ausgediente Unterhemden und T-Shirts aus Baumwolle als Putzlappen zu verwenden.

SCHUHPUTZEN MIT SWEATSHIRTS

Schubert empfiehlt sie besonders für das Trockenreiben von Waschbecken, Duschkabine und Badewanne oder als Ersatz für Geschirrtücher. Beim Schuheputzen kann man auf Ausgedientes aus dem Kleiderschrank zurückgreifen: „Alte Sweatshirts und Wollpullover sind gut zum Polieren von Schuhen geeignet”, sagt Liane Reichhart, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Hessen des DHB-Netzwerk Haushalt.

Wer liebgewonnene Textilien nicht zum Saubermachen verwenden möchte, sollte sich mit dem Upcycling vertraut machen. Damit ist gemeint, dass man sich Abfallprodukten oder Produktionsresten bedient und etwas hochwertiges Neues daraus erstellt.

Aus alten Klamotten kann man Decken, Topflappen oder Laptop- und Tablethüllen im Patchwork-Stil nähen. Und alte Bettbezüge aus Leinen verleihen als Tischdecken Festtagstafeln ein besonderes Flair. Und aus Weinkorken lassen sich Pinnwände und Untersetzer gestalten: „Die Korken in gleichdicke Scheiben schneiden und auf Pappe kleben”, so Reichhart.

Auch für Möbel eignet sich Ausrangiertes. Schubert bewahrt Zeitschriften in ehemaligen Weinkisten auf, eine in die Jahre gekommene Leiter hat sie zum Regal gemacht, ein altes Brett aus der Werkstatt ihres Vaters als Ablage an der Wand montiert. Manchmal kommt es darauf an, die Reste richtig zu verpacken, damit sie eben nicht nach Müll, sondern nach einen kreativen Alltagshelfer aussehen: „Werden Milch- und Safttüten etwa mit Baumrinde beklebt, werden daraus rustikale Blumentöpfe“, erklärt Reichhart. Aber auch andere Behälter lassen sich daraus fertigen, um Schlüssel, Stifte und Krimskrams darin aufzubewahren – „ein idealer Bastelspaß für die ganze Familie”, findet Reichhart. Gläser mit Schraubverschluss für das Aufbewahren von Speiseresten, Vorräten und sonstigen Alltagskram werden zum Hingucker im Regal, wird am oberen Brett eine Magnetleiste befestigt. Daran bleiben die metallischen Deckel hängen – und die Gläser schweben quasi. dpa